lightup — damit Jugendliche über Menschenhandel und Prostitution Bescheid wissen

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Vor zwei Jahren haben wir bereits ein Interview mit Carina Angelina von lightup (damals noch unter dem Namen Freethem) geführt und ihr einige Fragen zu der Arbeit und dem Anliegen von lightup gestellt (das Interview findet ihr hier). Seither hat sich einiges bei der menschenrechtsbasierten Jugendorganisation getan, die es sich zur Aufgaben gemacht hat, junge Menschen für Menschenhandel in Deutschland und die häufig prekären Umstände in der Prostitution zu sensibilisieren, zur kritischen Diskussion anzuregen und zu motivieren, selbst gegen die Missstände aktiv zu werden. Deshalb haben wir mal nachgehört.

MIF: Im letzten Jahr hattet ihr als Organisation ja eine Namensänderung, aber auch ansonsten war viel bei lightup los. Erzähl uns mal ein bisschen, was sich seit der Namensänderung getan hat.

Carina: Sehr gerne. Bei uns steht nun seit Mitte letzten Jahres und besonders seit Anfang diesen Jahres das Thema „Organisationsentwicklung“ im Vordergrund – vom Überarbeiten unserer Website über die Einarbeitung in neue Projektmanagement Tools bis zur Einführung einer Fördermitgliedschaft.  Wir haben als kleine, lokale studentische Initiative gestartet und einfach mal losgelegt. Seit damals haben wir uns als Organisation verändert und weiterentwickelt und sind stark gewachsen. So haben wir immer mehr junge Menschen für unsere Arbeit und unser Anliegen gewinnen können und dadurch auch mehr Projekte, Aktionen und Workshops durchführen dürfen.

MIF: Das klingt spannend, aber noch recht abstrakt. Kannst Du uns Beispiele für konkrete Aktionen der letzten Monate geben?

 

lightup – Kunstevent in Erlangen

Carina: Um nur zwei Highlights zu nennen: Zum Tag der Menschenrechte haben wir gemeinsam mit dem Kulturzentrum E-Werk Erlangen eine größere Veranstaltung mit verschiedenen Künstler/innen aus Deutschland, Österreich und England veranstaltet, die unter dem Motto „Kunst gegen Ausbeutung“ auf kreative Weise das Thema Menschenhandel und Ausbeutung im Sexgewerbe beleuchtet haben. Ganz besonders habe ich mich aber auch über einen Projekttag am „Berufsbildungszentrum für soziale Berufe“ in Münnerstadt gefreut, bei dem wir gemeinsam mit SOLWODI Bad Kissingen, einer Fachberatungsstelle für Betroffene von Menschenhandel, rund 60 angehende Erzieher/innen sowie Pädagog/innen schulen durften. In verschiedenen Workshops wurden die jungen Menschen für die Themen Menschenhandel, insbesondere der sogenannten Loverboy-Masche, sowie die Missstände im Sexgewerbe sensibilisiert und sprachfähig gemacht. Dies erachten wir als sehr wichtig, da einige von ihnen später mit jungen Menschen arbeiten werden, die besonders gefährdet sind, in ausbeuterische Abhängigkeitsverhältnisse zu geraten. Am gleichen Abend fand zudem ein Benefizevent mit verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern im CoachingHaus Wülfershausen statt, welches von zwei Schülerinnen und einer Lehrerin des Berufsbildungszentrum organisiert wurde und an dem rund 130 Personen teilnahmen. Die Einnahmen wurden an SOLWODI und lightup gespendet. 

MIF: Welche Mittel nutzt ihr momentan zur Kommunikation/Öffentlichkeitsarbeit?

Carina: Wir versuchen über verschiedene Kommunikationskanäle Aufmerksamkeit für das Thema und uns zu schaffen. Zum einen haben wir Anfang des Jahres unsere neuen lightup-Jutebeutel bedrucken und diese natürlich von Made in Freedom produzieren lassen. Mit dem Kauf unserer Taschen wird also nicht nur die Arbeit von lightup unterstützt, sondern auch die Freiheit und wirtschaftliche Selbstständigkeit von Frauen, die im Sexgewerbe ausgebeutet wurden. Gleichzeitig wollen wir jungen Menschen mit einem coolen Merchandising-Produkt eine einfache Möglichkeit geben, mit geringem Zeitaufwand eine Position zu dem Thema zu beziehen und ein öffentliches Statement in ihrem Umfeld zu setzen. Gleiches gilt für unsere kostenlosen Sticker und To-Go Becher aus Bambus-Material. Wir haben auch schon von dem ein oder anderen erfahren, dass sie auf diesem Weg mit Leuten ins Gespräch gekommen sind. Das ist unser primäres Ziel.

Außerdem informieren wir über Social Media (Facebook & Instagram) vor allem junge Menschen über die Thematik, unser Anliegen und unsere Aktionen. Gleichzeitig wollen wir hier auch zeigen, was junge Leute auf die Beine gestellt haben, Vorbilder schaffen und dadurch andere inspirieren und motivieren sich ebenfalls zu engagieren. Zudem senden wir unseren Newsletter 3-4 mal jährlich raus.

Wie ich bereits erwähnt habe, haben wir unsere Website im vergangenen Jahr stark ausgebaut und sind auch noch immer in der Überarbeitung. Über unsere Website findet man zum einen einige Informationen über uns und unser Anliegen, aber auch konkrete Informationen zum Thema, ob Filmtipps, Hard Facts oder weiterführende Literatur (wie z. B. Berichte und Studien) und verschiedene Ideen, wie man sich mit und bei lightup engagieren kann.

„Prostitution heute“ mit Herausgeberin Carina Angelina

Vergangenes Jahr im September 2018 durfte ich außerdem das zweisprachige Sammelwerk „Prostitution heute. Befunde und Perspektiven aus Gesellschaftswissenschaften und Sozialer Arbeit“ mit herausgeben, an dem auch andere Mitarbeiterinnen von lightup mitgeschrieben haben und Ende des Jahres ein Interview für das Online Magazin Stadtkind Stuttgart geben.

MIF: Wir finden es super, dass ihr Kontakt zu gleichgesinnten Initiativen sucht und mit anderen zusammenarbeitet. Welche Kooperationen seid ihr in letzter Zeit eingegangen und welche plant ihr aktuell?

Carina: Seit letztem Jahr sind wir Mitglied im Paritätischen Landesverband Baden-Württemberg und seit diesem Jahr Mitglied im Aktionsbündnis gegen Frauenhandel. Außerdem wurde ich stellvertretend für lightup im Netzwerk von ChangemakerXchange aufgenommen. ChangemakerXchange ist einer der größten globalen Austausch- und Kooperationsplattformen für junge Menschen, die an innovativen Lösungen für soziale, ökologische oder gesellschaftliche Probleme in ihrem direkten Umfeld arbeiten. 

lightup kunstevent
lightup – Kunstevent in Erlangen

Was eine konkrete Projektarbeit anbelangt, arbeiten wir demnächst mit TanzPartner e.V. und einer Gesamtschule in Nürnberg zusammen. Von Dezember 2019 bis Juli 2020 ist ein Tanzprojekt mit zwei Tanzpädagoginnen zum Thema „RESPEKT! Jeder Mensch ist wertvoll!“ geplant. Die Schüler/innen der 5. bis 8. Jahrgangsstufe sollen sich wöchentlich mit den Themen „Menschenrechte/würde“, „Menschenhandel“ und Fragen wie „Was bedeutet Respekt?“ auseinandersetzen und im Rahmen eines partizipativen Ansatzes eine Tanzaufführung erarbeiten. Das Projekt wird derzeit bei “ChanceTanz” beworben, die unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung.“ gefördert werden.

Über weitere Kooperationsabsichten darf ich leider noch nichts verraten, aber wir halten euch auf alle Fälle über unsere Social-Media-Kanäle und unseren Newsletter auf dem Laufenden.

MIF: Wie kann man euch unterstützen und/oder sich selbst einbringen?

Carina: Derzeit werden noch viele Aufgaben auf relativ wenige Schultern verteilt. Wir sind so dankbar für all die motivierten Ehrenamtlichen, die in den letzten Monaten und Wochen dazu gestoßen sind, aber wir merken, dass wir an einigen Stellen noch Men- und Womenpower brauchen, gerade in Verantwortungs-/Führungspositionen. Zum einen damit wir bereits anfallende Aufgaben besser verteilen können (z. B. im Bereich Fundraising, Eventmanagement) und zum anderen aber auch damit wir uns neuen Bereichen widmen (z. B. Merchandising) oder professionalisieren können (z. B. Marketing). Deshalb haben wir im August eine kleine „Join us“-Kampagne  über Social Media gestartet. Über unsere Website und unser Betterplace-Profil können Interessierte einsehen, in welchen Bereichen wir derzeit dringend Unterstützung benötigen. Wir freuen uns über jede und jeden, die oder der Lust hat sich mit uns für Freiheit und gegen Menschenhandel und Ausbeutung einzusetzen – ob mit ein paar Stunden im Monat oder mehreren in der Woche.

lightup change the worldAber wir freuen uns auch über junge Menschen, die Lust haben eine Aktion, wie einen Filmabend mit Freunden, zu organisieren, uns für einen Workshop oder Vortrag einladen oder ein (kreatives) Projekt starten. Wir durften schon einige junge Menschen bei Kunstprojekten unterstützen und begleiten. Gerade kreative Projekte haben sich als sehr wirkungsvoll erwiesen um einen Zugang zu der schwierigen Thematik zu schaffen. Denn durch Kunst und Kultur, ob in Form von Musik, Tanz, Theater oder Text/Literatur, lassen sich gerade Tabuthemen wie Prostitution auf eine neue Weise darstellen und beleuchten. Deshalb ermutigen wir junge Menschen, ihre kreativen Fähigkeiten einzusetzen, um andere für Menschenhandel, Ausbeutung und die Umstände im Sexgewerbe zu sensibilisieren und versuchen sie im Rahmen unserer Möglichkeiten hierbei zu unterstützen und ihnen eine Plattform zu geben.

Aber bei aller Freude über ehrenamtliches Engagement und tolle Aktionen, ist auch unsere Arbeit nicht ohne finanzielle Unterstützung möglich. Bisher wird unsere Arbeit nahezu ausschließlich über private Spenden und Fördermitgliedschaften getragen. Dank unserer Spender/innen und Fördermitglieder konnten wir unter anderem unsere erste Minijob-Stelle dieses Jahr im Juli schaffen. Gleichzeitig bemühen wir uns auch weitere Fördermittel für unsere Projekte zu gewinnen. Bei vielen Projektanträgen bei Stiftungen und anderen Fördermittelgebern, müssen jedoch mitunter 20 oder 30 Prozent Eigenmittel eingebracht werden, was uns vor eine Hürde stellt. Daher sind wir auch weiterhin auf Menschen angewiesen, die uns zum Beispiel im Rahmen einer Fördermitgliedschaft monatlich mit einem frei gewählten Beitrag (ab 5 Euro) unterstützen. Fördermitglieder ermöglichen dadurch nicht nur unsere Arbeit langfristig und machen sie planbarer, sondern werden selbst auch Teil der lightup-Bewegung, tragen unser Anliegen weiter und setzen ein Zeichen für Freiheit und Gerechtigkeit. Außerdem bekommen unsere Fördermitglieder auf Wunsch ein kleines Willkommenspaket und werden über Neuigkeiten informiert.

Mehr Infos zur Fördermitgliedschaft von lightup findest du hier. Wenn du spenden möchtest, findest du hier alle Informationen.