MIF: Freiheit ist ein Begriff mit vielen Bedeutungen. Was heißt Freiheit für Dich und für die Organisation, für die Du arbeitest?

Jennifer: „Wer definiert Freiheit?“ Das ist eine wichtige Frage. Definieren wir sie für andere oder müssen andere diese für sich selbst definieren? Grundsätzlich würde ich sagen, dass es die Möglichkeit ist, frei aus verschiedenen Optionen zu wählen. In Freedom Businesses* arbeiten wir daran, sicherzustellen dass die Menschen die Möglichkeit und die wirtschaftlichen Mittel haben, Entscheidungen für ihr Leben zu treffen.

MIF: Viele Projekte gegen Armut und weltweite Ungerechtigkeit scheinen oftmals nur wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Wie erlebst Du wirklich positive Veränderung für die Schwächsten der Gesellschaft?

Jennifer: Die Freedom Business Alliance ist eine Handelsorganisation für Unternehmen wie Made in Freedom. Wir investieren unsere Zeit und Energie, um diese Unternehmen in den Bereichen Profitabilität, Wachstum und Veränderung zu unterstützen. Obwohl die FBA nicht direkt mit Einzelpersonen zusammenarbeitet, glauben wir, dass die Öffnung der Türen für größere, größere und gesündere Freedom Businesses* letztendlich bedeutet, dass mehr Menschen in Freiheit leben werden.

MIF: Welche Unterstützung wünscht Du Dir (Einzelpersonen, Politik, NGO, …)?

Jennifer: Die Freedom Business Alliance sucht immer nach erfahrenen Unternehmern und kleinen Geschäftsleuten, die etwas bewegen möchten! Viele Freedom Businesses brauchen Hilfe, um Herausforderungen zu meistern und Chancen zu ergreifen. Viele wünschen sich einen Mentor, mit dem sie sprechen können. Eigentümer großer Unternehmen können etwas bewegen, indem sie mit NGOs zusammenarbeiten, um benachteiligten Menschen Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten.

Regierungen müssen intensiver über Themen wie Armut nachdenken, die Migration motivieren. Investitionen in Unternehmen (und die Schaffung von Arbeitsplätzen) in Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit können dazu beitragen, die Migration zu verringern und die Ausbeutung einzudämmen. In Europa sollten Regierungen Steuergutschriften oder -ermäßigungen gewähren, um Unternehmen dazu zu ermutigen, schutzbedürftige Personen einzustellen.

MIF: Wie kann Deiner Meinung nach jeder von uns im täglichen Leben dazu beitragen, dass weltweit mehr Menschen in Freiheit leben und arbeiten können?

Jennifer: Wir müssen unser Konsumverhalten überdenken. Was kaufen wir? Wer stellt unsere Produkte her? Unter welchen Arbeitsbedingungen?

Wenn Du bei einem Freedom Business* einkaufst, bietest Du auch Menschen, die von Ausbeutung bedroht sind, eine sichere Beschäftigung und Chancen. Aber es geht auch über diese Einkäufe hinaus. Weigere Dich, Produkte von Unternehmen zu kaufen, die in Bezug auf ihre Lieferketten nicht transparent sind. Oder schreibe an Unternehmen, bei denen Du bereits einkaufst, um ihnen mitzuteilen, dass Du Dich für die Löhne und Arbeitsbedingungen der Menschen interessierst, die ihre Produkte herstellen. Jeder Einkauf kann das Leben anderer verändern.

 Über Jennifer Roemhildt Tunehag: FBA Jennifer Roemhildt Tunehag

Jennifer gründete 1998 Nea Zoi, eine Organisation für ausgebeutete Menschen in Athen, Griechenland. Sie ist Teil des Gründungs- und Kernteams des European Freedom Network, einem Netzwerk von über 200 christlichen Organisationen, die sich für mehr Freiheit in ganz Europa einsetzen. Jennifer ist auch in der Global Human Trafficking Task Force der World Evangelical Alliance (WEA) tätig

Von 2012-13 arbeitete sie einer globalen Think Tank Group mit dem Fokus auf „Business as Mission“ (BAM) und dem Kampf gegen Menschenhandel. Diese Arbeit war der Anstoß für die Gründung der
Freedom Business Alliance.

Jennifer lebt mit ihrem Mann Mats in Stockholm, Sweden.

 

*Freedom Business: Mit diesem Begriff bezeichnen wir ein Unternehmen, dessen oberstes Ziel es ist, fair bezahlte Arbeitsplätze für Menschen zu schaffen, die von Menschenhandel und Ausbeutung bedroht sind oder daraus befreit wurden.